Falscher Dialog

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„Es gibt kein richtiges Leben im Falschen.“

(Theodor W. Adorno)

Man hüte sich, das Richtige im Falschen zu suchen!

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Es gibt Gelegenheiten und es gibt Gelegenheiten. Man scheidet sie, indem man die jeweilige Gelegenheit auf ihren privaten und, bei entsprechender sittlich-moralischer Voraussetzung, auf ihren gesellschaftlichen End-Nutzen hin prüft. Kein vernünftiger Mensch wird jeder sich bietenden Gelegenheit nachgehen.

Zum Beispiel: Ein üblicher deutscher Erwerbstätiger wird sich im eigenen Interesse fragen, ob es sinnvoll ist, für mehr Verdienst mehr zu arbeiten, wenn ihm ein überproportional großer Teil des Mehrverdienstes als Steueranteil angerechnet wird (Steuerbauch) und somit nicht zum Einkommen fließt. In moralischer Hinsicht sollte sich der Lohn- oder Einkommensbezieher in diesem Bild fragen, ob es gesellschaftlich nicht gar falsch ist, für relativ viele Steuern zu arbeiten, wenn diese ein nicht gleichheitlich (lineare Funktion) besteuernder und somit wohl gründlich ungerechter Staat zur Verfügung erhält.

Beim politischen Dialog wie bei solchem allgemein, sollte man dementsprechend das zu diskutieren sich bietende Problemfeld auch einer Nutzen- oder besser Relevanzabwägung unterziehen, dass es nicht irgendwann heißt: Thema verfehlt, nichts gewonnen. Konkret, systematisch und gegenwartsbezogen: Ist es nachhaltig gesellschaftlich sinnvoll und gut, einen Dialog über eine Problematik zu führen, die im Lichte einer universelleren Betrachtung die konkrete Folge einer anderen Problematik ist und bei dem die schon wartenden Diskutanten auch noch die Verantwortlichen der ursächlichen Problematik sind? – Oder wird man da etwa auf ein irrelevantes falsches Feld gelockt? Hier auf jeden Fall. Und in Echt?

Da ist zum Beispiel das Tarif- und Arbeitsrecht. Ein weiter und scheinbar unverzichtbarer Bereich; eine große Errungenschaft, wie das politische System erklärt, die natürlich viel Kraft und Aufmerksamkeit fordert. Aber müsste die Aufmerksamkeit/der Dialog sich – im Sinne von Subsidiarität und Freiheit – nicht über diesen riesigen Ressourcen fressenden Rechtskomplex erheben und auf die ursächliche fehlende Augenhöhe von Arbeitnehmern und Arbeitgebern richten und so die praktische Erpressbarkeit der einen Gruppe problematisieren, um sich dann nach der zweifelhaften individuellen Vermögensverteilung zu wenden? Ja. Doch:

Ich bin der traurigen Einsicht, dass die systematisch Verarmten des westlichen politischen Systems sich ganz wesentlich auf falschem Feld verzetteln, ihr Potenzial verschwenden! Sie gehen den verlogenen Lockungen eines vermeintlich relevanten Dialogs nach, der thematisch tatsächlich oft recht nahe ihrer Lebenswirklichkeit ist (weiter unten), ohne zu gegenwärtigen, dass dieser Diskurs nicht die Ursache ihrer Problematik berührt und nur ein wesentlicher Teil ihrer Unterwerfung durch Ablenkung vom eigentlichen ist.

Der ganze, von den ewigen Opportunisten in Politik und Gesellschaft geschürte gegenwärtige politische Dialog ist Gift für das Glück der Völker und die Schönheit der Welt! Reden ist gut. Aber es muss bedeutsam sein. Die Themen müssen heißen: Komplette Abschaffung von Subventionen für die private Wirtschaft! Und: Maximale Vermögensungleichheit! Und: Grundanteil! Oder: Ausbeutung und Weltzerstörung und noch mehr!

Die Frage nach Sinn oder Unsinn eines politischen Dialoges mit Vertretern des westlichen politischen Systems schlechthin ist kurzweg: Welchen Gewinn kann es haben, mit den aktuellen politischen Gestaltern einer Politik der andauernden extremen Volksmehrheitsarmut, des praktischen Arbeitszwangs sowie einer Tod und Elend bringenden Weltklimazerstörung, über Freiheit und Gleichheit oder die Welt oder irgendwas zu reden? Die Antwort: Keinen.

Im Spezielleren sollte/kann man sich zum Beispiel auch fragen:

- Warum mit den Vertretern eines Systems, welches Arbeitseinkommen höher besteuert als Vermögenseinkommen (Abgeltungssteuer) sowie auch kleine Unternehmen höher besteuert als große und das tradierte Privatvermögen aus vor „freiheitlich demokratischer“ Zeit, und oder Zeit in der die universellen Menschenrechte oder westlichen Grundwerte – nach heute gängiger Auffassung – praktisch nicht galten (zum Beispiel Deutschland vor 1945 und USA vor 1965 (Voting Rights Act) prinzipiell nicht infrage stellt, dass also Vermögende und Großunternehmer bevorteilt, sowie zweifelhafte Vermögen schützt, über Armut insbesondere „Sozial-Wohlfahrtsleistungen“ reden?

- Was gibt es in einer freiheitlich-marktwirtschaftlichen Gesellschaft angesichts eines quantitativen Kohlendioxid Problems anderes zu debattieren als eine relevante CO2 Steuer? Und was bezweckt die Kräfte bindende und investierende sogenannte Klimapolitik eines Systems, das sich dadurch auszeichnet, dass es einen Großteil seiner Bevölkerung dauerhaft arm hält, während es einer systemrelevanten Minderheit systematisch ihre Vermögen sichert, wirklich?
- usw.

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Mann muss den falschen Dialog denen lassen, die ihn begonnen haben!

Wa27.2.2016